Geschäftsführer

Der oder die Geschäftsführer vertreten die GmbH nach außen und bilden neben der Gesellschafterversammlung das zweite wichtige Organe der Gesellschaft. Als gesetzliche Vertreter der Gesellschaft sind sie für die Einhaltung der gesetzlichen Pflichten verantwortlich, insbesondere im Steuer- und Sozialversicherungsrecht. Die Aufgaben und Rechte der Geschäftsführer werden regelmäßig in einem gesonderten Geschäftsführervertrag bestimmt.

Inhalt: 

  1. Persönliche Voraussetzungen
  2. Aufgaben und Geschäftsführungsbefugnis 
  3. Bestellung und Geschäftsführervertrag
  4. Geschäftsführergehalt
  5. Haftung der Geschäftsführer

1. Persönliche Voraussetzungen

Nach § 6 Abs. 3 GmbHG können zu Geschäftsführern sowohl Gesellschafter als auch andere Personen bestellt werden. Die Beteiligung am Stammkapital der Gesellschaft ist also keine Voraussetzung, um zu einem Geschäftsführer der GmbH bestellt zu werden. Mit Ausnahme des Negativkatalogs in § 6 Abs. 2 GmbHG enthält das Gesetz auch keine besonderen persönlichen Voraussetzungen zur Ausführung des Amts eines Geschäftsführers. In diesem Sinne kann also jeder volljährige Mensch unabhängig von seiner Ausbildung Geschäftsführer einer GmbH werden, sofern keine der in § 6 Abs. 2 GmbHG genannten Ausschlußmerkmale vorliegen. Auch die Nationalität, ein Wohnsitz in Deutschland oder ein Aufenthaltstitel für Deutschland spielen keine Rolle mehr, seitdem eine GmbH ihren Sitz nicht mehr zwingend im Inland haben muss.

2. Aufgaben und Geschäftsführungsbefugnis

Die GmbH besitzt als juristische Person zwar eine eigene Rechtsfähigkeit und damit auch Parteifähigkeit vor Gericht, wird aber im Geschäftsverkehr und insbesondere vor Gericht regelmäßig durch einen oder mehrere Geschäftsführer vertreten. Zentrale Aufgabe der Geschäftsführer ist die gesamte kaufmännische und technische Geschäftsleitung, wobei die durch die Gesellschafterversammlung definierten Unternehmensziele immer im Vordergrund stehen. Dabei sind die Geschäftsführer im Rahmen ihrer Geschäftsführungsbefugnis zur eigenständigen Entscheidung berechtigt, wie diese am effektivsten zu erreichen sind. In der Praxis wird die sehr weitgehende Geschäftsführungsbefugnis der Geschäftsführer meist eingeschränkt, indem ein Katalog von Geschäften definiert wird, für die der oder die Geschäftsführer die Zustimmung der Gesellschafter einholen müssen (= zustimmungspflichtige Geschäfte). Dies kann im Rahmen des Geschäftsführervertrages oder - in der Praxis noch einfacher - im Rahmen einer Geschäftsordnung geschehen.

2. Bestellung und Geschäftsführervertrag

Der oder die ersten Geschäftsführer werden durch einen Beschluss der ersten Gesellschafterversammlung anlässlich der notariellen Beurkundung des Gesellschaftsvertrages bestellt, wobei das Amt des Geschäftsführers bereits mit Annahme der Bestellung begründet wird. Die anschließende Eintragung im Handelsregister wirkt insoweit nur deklaratorisch. Üblicherweise wird das Verhältnis zwischen GmbH und Geschäftsführer durch einen Geschäftsführervertrag eingehend geregelt, insbesondere

  • die Rechte und Pflichten des Geschäftsführers,
  • Beginn und Dauer des Vertragsverhältnisses,
  • die einzelnen Bestandteile des Geschäftsführergehalts,
  • die Altersvorsorge des Geschäftsführers und
  • ein nachvertragliches Wettbewerbsverbot,

wobei sich die meisten Pflichten der Geschäftsführer aus dem GmbHG und aus dem Steuerrecht ergeben. Das Amt des Geschäftsführers (= Organ) und das schuldrechtliche Anstellungsverhältnis bestehen nebeneinander und müssen unabhängig voneinander begründet und beendet werden. Die Beendigung des Amts durch Abberufung führt deshalb nicht automatisch zur Beendigung des schuldrechtlichen Vertragsverhältnisses mit der GmbH. Vielmehr muss der Geschäftsführervertrag gesondert beendet werden, sei es durch Kündigung oder durch Aufhebungsvertrag. Umgekehrt gilt das natürlich genauso.

3. Geschäftsführergehalt

Inhaltlich ist die Vereinbarung des Geschäftsführergehalts eine der zentralen Regelungen im Geschäftsführervertrag. In der Regel setzt sich dieses aus mehreren Bestandteilen zusammen, wobei ein festes Grundgehalt als Basis und Grundsicherung dient. Darauf aufbauend bestimmt sich die Höhe des Geschäftsführergehalts in der Praxis zu einem großen Teil durch eine gewinnabhängige Tantieme als erfolgsbezogene Vergütung der Geschäftsführer. Hiermit soll für den Geschäftsführer ein besonderer Anreiz zum persönlichen Einsatz geschaffen und eine Beteiligung am wirtschaftlichen Erfolg der GmbH realisiert werden. Darüber hinaus wird dem Geschäftsführer meist auch ein Firmenwagen zur Verfügung gestellt, der auch zu privaten Zwecken genutzt werden darf. Eine besondere Attraktivität der GmbH bietet die Möglichkeit der betrieblichen Altersvorsorge des Geschäftsführer, die durchaus auch für kleinere Gesellschaften interessant sein kann, z.B. mittels einer Direktversicherung. Eine der zentalen Fragen der geschäftsführenden Gesellschafter betrifft deren Sozialversicherungspflicht, die durch clevere Gestaltung der Satzung und des Geschäftsführervertrages im Einzelfall gesteuert werden kann. 

4. Haftung der Geschäftsführer

Geschäftsführer einer GmbH sind vielfältigen Haftungsrisiken ausgesetzt, wobei zu unterscheiden ist zwischen

  • Haftung gegenüber der Gesellschaft,
  • Haftung gegenüber Gesellschaftern,
  • Haftung gegenüber Dritten,
  • Haftung gegenüber dem Finanzamt oder der Gemeinde und
  • Haftung gegenüber einem Träger der Sozialversicherung.

Geschäftsführer haften mit ihrem gesamten Privatvermögen, wenn sie ihre Pflichten gegenüber der GmbH, den Gesellschaftern, den Gläubigern, dem Fiskus oder der Allgemeinheit verletzen. Geschäftsführer führen zwar in erster Linie die Geschäfte der Gesellschaft und verwalten das Vermögen, können aber auch Gläubigern oder z.B. der Finanzverwaltung gegenüber haften, wenn die Geschäfte nicht ordnungsgemäß und in Übereinstimmung mit bestehenden Gesetzen geführt werden. Durch neue Gesetze und die Rechtsprechung wurde der Umfang der Pflichten und die daraus resultierenden Haftungsrisiken des Geschäftsführer ständig erweitert.