Gesellschafter-Geschäftsführer

Zahlreiche GmbHs in Deutschland werden von einem Gesellschafter-Geschäftsführer (oder mehreren geschäftsführenden Gesellschaftern) geleitet, also von Personen, die gleichzeitig als Gesellschafter am Stammkapital der GmbH beteiligt sind und von der Gesellschafterversammlung zum Geschäftsführer bestellt wurden.

Inhalt:

  1. Arten der Gesellschafter-Geschäftsführer
  2. Geschäftsführervertrag
  3. Geschäftsführergehalt
  4. Sozialversicherungspflicht

1. Arten der Gesellschafter-Geschäftsführer

Je nach Ausgestaltung des Gesellschaftsvertrages und der Kapitalbeteiligung des Gesellschafter-Geschäftsführers unterscheidet man zwischen dem

  • Alleingesellschafter-Geschäftsführer,
  • Gesellschafter-Geschäftsführer mit einem Kapitalanteil von mindestens 50% oder mehr,
  • Gesellschafter-Geschäftsführer mit einem Kapitalanteil von weniger als 50% aber mit Sperrminorität,
  • Gesellschafter-Geschäftsführer mit einem Kapitalanteil von weniger als 50% und ohne Sperrminorität.

Diese Unterscheidung ist sowohl im Steuerrecht als auch im Sozialversicherungsrecht von großer Bedeutung. Im Steuerrecht bestehen für beherrschende Gesellschafter-Geschäftsführer deutlich höhere Anforderungen an die Form und Ausgestaltung des Geschäftsführervertrages, insbesondere im Hinblick auf das Geschäftsführergehalt. Ebenso ist die Frage der Sozialversicherungspflicht davon abhängig, ob der Gesellschafter-Geschäftsführer wie ein selbständiger Unternehmer oder eher wie ein angestellter Mitarbeiter der GmbH zu beurteilen ist.

Beherrschende Gesellschafter-Geschäftsführer

Beim

  • Alleingesellschafter-Geschäftsführer und
  • Gesellschafter-Geschäftsführer mit einem Kapitalanteil von mindestens 50%

handelt es sich i.d.R. um einen beherrschenden Gesellschafter-Geschäftsführer, der aufgrund seiner Kapitalbeteiligung die Geschicke der GmbH idR auch gegen den Willen der anderen Gesellschafter bestimmen kann. Je nach Ausgestaltung kann sich die beherrschende Stellung auch durch spezielle Sonderrechte ergeben.

2. Der Geschäftsführervertrag

Während auch der Gesellschafter-Geschäftsführer sein Amt als Geschäftsführer kraft Bestellung durch die Gesellschafterversammlung der GmbH ausübt, wird im Geschäftsführervertrag das schuldrechtliche Verhältnis zwischen ihm und der Gesellschaft geregelt, vor allem dessen Aufgaben und Pflichten sowie seine Rechte, insbesondere dessen Geschäftsführergehalt.

Hinsichtlich der Form und des Inhalts des Geschäftsführervertrages besteht auch beim Gesellschafter-Geschäftsführer grundsätzlich Vertragsfreiheit, d.h. der Inhalt kann zwischen den Parteien individuell vereinbart werden. Unabhängig von der Art des Gesellschafter-Geschäftsführers ist die Schriftform in jedem Fall dringend zu empfehlen. Für den beherrschenden Gesellschafter-Geschäftsführer ist dies aus steuerrechtlichen Gründen sogar zwingend geboten, damit die Zahlungen der Gesellschaft nicht als verdeckte Gewinnausschüttungen behandelt werden.

Der Inhalt des Geschäftsführervertrages ist entscheidend davon abhängig, ob es sich um einen

  • Fremdgeschäftsführer ohne Kapitalbeteiligung,
  • Gesellschafter-Geschäftsführer ohne beherrschenden Einfluss auf die Gesellschaft oder einen
  • beherrschenden Gesellschafter-Geschäftsführer

handelt.

3. Das Geschäftsführergehalt

Grundsätzlich gehört das Geschäftsführergehalt in allen Fällen zu den abzugsfähigen Betriebsausgaben der GmbHI, d.h. das Geschäftsführergehalt, die Tantieme und die sonstigen Gehaltsbestandteile (= Gesamtausstattung) mindern den steuerpflichtigen Gewinn der Gesellschaft. Beim beherrschenden Gesellschafter-Geschäftsführer gibt es jedoch einige Besonderheiten im Rahmen der folgenden Checkliste zu beachten:

  • Ist das Geschäftsführergehalt in der vereinbarten Form und Höhe üblich?
  • Ist das Geschäftsführergehalt oder einzelne Bestandteile unangemessen hoch?
  • Gibt es für das Geschäftsführergehalt insgesamt eine klare, im voraus getroffene und zivilrechtlich wirksame Vereinbarung?
  • Wurden die getroffenen Vereinbarungen auch tatsächlich durchgeführt?

Probleme tauchen immer dann auch, wenn eine der vorgenannten Fragen mit Ja beantwortet werden muss.

Für die Zuordnung des Geschäftsführergehalts zu den abziehbaren Betriebsausgaben ist daher von wesentlicher Bedeutung, dass im Voraus eine schriftliche und wirksame Vereinbarung zwischen Gesellschaft und Gesellschafter-Geschäftsführer getroffen wurde, bevor entsprechende Leistungen erbracht werden. Die Vereinbarung ist nur dann zivilrechtlich wirksam, wenn sie auf einem ordnungsgemäßen Gesellschafterbeschluss der Gesellschafterversammlung beruht. Die Vereinbarung enthält nur dann klare und eindeutige Regelungen, wenn ein Dritter anhand der geschlossenen Vereinbarung in der Lage ist, die Höhe des Geschäftsführergehalts zutreffend zu ermitteln. Die Vereinbarung muss in allen Punkten detailgetreu durchgeführt werden, anderenfalls fehlt es an der Ernsthaftigkeit der Vereinbarung.

Darüber hinaus wird die Gesamtausstattung eines beherrschenden Gesellschafter-Geschäftsführers von Seiten der Finanzverwaltung sehr oft dahingehend untersucht, ob es einem Fremdvergleich standhält, der in zwei Richtungen geprüft wird:

a) Interner Betriebsvergleich

Die Gesamtausstattung des Gesellschafter-Geschäftsführers muss sich insgesamt in einem Rahmen bewegen, der den innerbetrieblichen Gegebenheiten entspricht. Hier sind verschiedene individuelle Kriterien zu berücksichtigen, insbesondere Art und Umfang der Geschäftsführertätigkeit, die Unternehmensgröße nach Umsatz und Mitarbeiterzahl, die Ertragslage der GmbH und das Verhältnis zwischen Gesamtausstattung und Gewinn der GmbH.

b) Externer Betriebsvergleich

Ferner muss es dem Gehaltsgefüge der jeweiligen Branche bzw. anderen Unternehmen gleicher Größe entsprechen. Sofern Zweifel an der Angemessenheit bestehen, helfen hier meist nur externe Analysen oder Studien über die Geschäftsführergehälter in deutschen Unternehmen weiter, die regelmäßig veröffentlicht werden.

4. Sozialversicherungspflicht

Für die Beurteilung der Sozialversicherungspflicht eines Gesellschafter-Geschäftsführers ist es entscheidend, ob er/sie auf Basis vertraglicher Vereinbarungen, insbesondere auf Basis

  • des Gesellschaftsvertrages und
  • des Geschäftsführervertrages

eine derartige Rechtsmacht besitzt, dass er wie ein selbständiger Unternehmer entscheiden und agieren kann. Alle anderen Merkmale treten demgegenüber in den Hintergrund.

Nicht beherrschende Gesellschafter-Geschäftsführer bzw. solche ohne Anteilsmehrheit, denen also

  • weder aufgrund ihrer Beteiligung am Stammkapital
  • noch auf Basis anderer vertraglicher Vereinbarungen Gesellschaftsvertrag

eine beherrschende Stellung in der GmbH oder eine umfassende Sperrminorität eingeräumt wurde, sind regelmäßig als sozialversicherungspflichte Mitarbeiter der Gesellschaft zu behandeln.