Liquidation einer GmbH

Die Liquidation einer GmbH ist sozusagen das förmliche Verfahren zur Beendigung der unternehmerischen Tätigkeit und die Abwicklung der Gesellschaft bis hin zu ihrer Löschung im Handelsregister, womit die endgültige Auflösung vollzogen wird.

Inhalt:

  1. Allgemeines zur Liquidation
  2. Die Auflösung der GmbH
  3. Die Abwicklung der Gesellschaft (= Liquidation)
  4. Vollbeendigung und Löschung der GmbH

Allgemeines zur Liquidation

Das letzendliche Ziel einer GmbH-Liquidation ist die Beendigung der Gesellschaft und Löschung im Handelsregister. Während der Liquidation

  • beenden die dazu berufenen Liquidatoren die noch laufenden Geschäfte,
  • realisieren die verbliebenen Forderungen, soweit dies noch möglich ist,
  • erfüllen die noch bestehenden Verbindlichkeiten und
  • verteilen das verbleibende Gesellschaftsvermögen an die Gesellschafter.

Während zur Gründung, zum laufenden Betrieb und zur Insolvenz einer GmbH jede Menge Fachliteratur existiert, ist die Zahl der Fachbücher zur Liquidation einer GmbH äußerst überschaubar. Vielleicht ist das auch der Grund dafür, warum viele Rechtsanwälte und Steuerberater mit der einvernehmlichen "Bestattung" einer GmbH außerhalb eines Insolvenzverfahrens nicht vertraut sind und diese daher als kompliziert und teuer empfinden. Richtig daran ist, dass die Liquidation genauso wie die Gründung einer GmbH ein förmliches Verfahren mit mehreren, unterschiedlichen Phasen darstellt und im Einzelfall auch kompliziert sein kann. 

Zu unterscheiden sind

Endgültig erloschen ist die GmbH erst nach der Beendigung der Liquidation und Löschung im Handelsregister, wobei beide Voraussetzungen gegeben sein müssen.

Alternativen zur Liquidation

Eine beliebte Alternative zur Liquidation einer aufzulösenden GmbH ist

  • die Verschmelzung auf eine andere Gesellschaft oder
  • die Verschmelzung auf den Gesellschafter

nach den entsprechenden Vorschriften des Umwandlungsgesetzes, zumal einige Vorteile hiermit verbunden sind. Dies ist innerhalb der EU sogar grenzüberschreitend möglich.

Vor der Liquidation einer GmbH aus persönlichen Gründen ist auch an einen Gesellschafterwechsel im Wege des Verkaufs und der Übertragung der Geschäftsanteile zu denken, was gem. § 15 GmbHG grundsätzliich jederzeit möglich ist. Beschränkungen können sich jedoch aus dem Gesellschaftsvertrag der GmbH ergeben, z.B. durch eine Genehmigungspflicht der Gesellschafterversammlung.

Insolvenz

Vorsicht ist geboten, wenn bei der GmbH die

  • Zahlungsunfähigkeit oder
  • Überschuldung

droht oder bereits besteht, da in diesen Fällen die Geschäftsführer gem. § 5a InsO verpflichtet sind, unverzüglich einen Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens zu stellen.

Sitzverlegung ins Ausland

Die Sitzverlegung ins Ausland als Alternative zur Liquidation wurde durch die GmbH-Reform im Jahre 2008 erheblich erschwert.

2. Die Auflösung der GmbH

Mit der Auflösung der GmbH gem. § 60 GmbHG tritt die Gesellschaft in die Phase der Liquidation bzw. Abwicklung ein, womit sich die bislang werbende Gesellschaft zur Abwicklungsgesellschaft umwandelt, wobei von nun an das Ziel der Vollbeendigung und Löschung im Handelsregister verfolgt wird. Der bisherige Zweck der Gesellschaft ändert sich also dahingehend, dass der Unternehmenszweck nunmehr auf Abwicklung und Verwertung des Gesellschaftsvermögens gerichtet ist. Im Übrigen bleiben die Regelungen des Gesellschafsvertrages unberüht.

Die einzelnen Auflösungsgründe

Zu unterscheiden sind die einzelnen in § 60 GmbHG genannten Auflösungsgründe:

  • Ablauf der im Gesellschaftsvertrag bestimmten Zeit;
  • Beschluß der Gesellschafter;
  • Gerichtliches Urteil oder Entscheidung des Verwaltungsgerichts oder der Verwaltungsbehörde in den Fällen der §§ 61 und 62;
  • Eröffnung des Insolvenzverfahrens;
  • Rechtskraft des Beschlusses, durch den die Eröffnung des Insolvenzverfahrens mangels Masse abgelehnt worden ist;
  • Rechtskraft einer Verfügung des Registergerichts, durch welche nach § 399 des Gesetzes über das Verfahren in Familiensachen und in den Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit ein Mangel des Gesellschaftsvertrags festgestellt worden ist;
  • Löschung der Gesellschaft wegen Vermögenslosigkeit nach § 394 des Gesetzes über das Verfahren in Familiensachen und in den Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit.

In der Praxis ist der Beschluß der Gesellschafter zur Auflösung der GmbH gem. § 60 Abs. 1 Nr. 2 GmbHG zahlenmäßig am bedeutendsten, wobei hier eine Dreiviertel-Mehrheit der abgegebenen Stimmen erforderlich ist, soweit der Gesellschaftsvertrag nichts anderes vorsieht.

Gesellschafterbeschluß zur Auflösung

Mit dem Gesellschafterbeschluss zur Auflösung der GmbH erlischt die Vertretungsbefugnis der Geschäftsführer und die Liquidatoren übernehmen die Leitung der Gesellschaft und die Aufgabe zur Abwicklung der Gesellschaft.

Als erstes muss die Auflösung der Gesellschaft gem. § 65 GmbHG

  • in öffentlich beglaubigter Form und
  • mit Angabe des Auflösungsgrundes

zur Eintragung ins Handelsregister angemeldet werden.

Hierfür ist die Einschaltung eines Notars erforderlich, der i.d.R. die Anmeldung gem. § 129 Abs. 2 BGB notariell beurkundet. In der Handelsregisteranmeldung versichern die Liquidatoren gegenüber dem Registergericht, dass gegen ihre Bestellung keine straf-, gewerbe- oder berufsrechtlichen Gründe sprechen.

3. Die Abwicklung der Gesellschaft (= Liquidation)

Im Interesse potentieller Gläubiger der GmbH sind die Liquidatoren gem. § 65 Abs. 2 GmbHG verpflichtet, die Auflösung der GmbH dreimal im Bundesanzeiger bekanntzumachen und zugleich etwaige Gläubiger aufzufordern, eventuelle Ansprüche geltend zu machen. Ohne diesen öffentlichen Gläubigeraufruf kann die Gesellschaft grundsätzlich nicht im Handelsregister gelöscht werden. Nach § 73 Abs. 1 GmbHG beginnt das Sperrjahr erst mit der dreimaligen Bekanntmachung im Bundesanzeiger.

Parallel hierzu beginnen die Liquidatoren mit der Abwicklung der Gesellschaft. Hiermit verbunden ist

  • die Beendigung der noch laufenden Geschäfte,
  • die Liquidierung des Gesellschaftsvermögens und Realisierung verbliebener Forderungen,
  • Erfüllung noch bestehender Verbindlichkeiten gegenüber Gläubigern und
  • Verteilung des verbleibenden Gesellschaftsvermögens an die Gesellschafter.

Die Aufgaben und Pflichten der Liquidatoren sind vergleichbar mit denen der Geschäftsführer und orientieren sich am Interesse der Gesellschafter an einer effektiven und zügigen Liquidation der Gesellschaft.

4. Vollbeendigung und Löschung der Gesellschaft

Nach Durchführung der Liquidation erfolgt die Anmeldung der Beendigung zur Eintragung ins Handelsregister gem. § 74 Abs. 1 GmbHG. In der Anmeldung muss insbesondere bestimmt werden,

  • von wem die Bücher und Schriften der Gesellschaft
  • für die Dauer von zehn Jahren aufbewahrt werden.

Sofern die zwingenden Voraussetzungen eingehalten wurden und die Abwicklung tatsächlich beendet ist, löscht das Registergericht die Gesellschaft im Handelsregister.