UG (haftungsbeschränkt) in der Praxis

Die Entscheidung für den Einsatz einer UG (haftungsbeschränkt) in der Praxis drängt sich immer dann auf, wenn eine Haftungsbeschränkung im Vordergrund steht und nur wenig Kapital zur Gründung eines Unternehmens zur Verfügung steht oder erforderlich ist.

Haftungsbeschränkung

Eine Haftungsbeschränkung im Rahmen der Rechtsform ist immer dann sinnvoll, wenn sich aus dem Betrieb eines Unternehmens besondere Haftungsrisiken ergeben, die branchen- oder produktbedingt sind und sich nicht vollständig durch eine Betriebshaftpflichtversicherung absichern lassen. Solche besonderen Haftungsrisiken bestehen immer dann, wenn bereits kleine Unachtsamkeiten der Gesellschafter, Geschäftsführer oder Mitarbeiter zu großen Schäden bei Vertragspartnern oder Dritten führen können. Das sind in erster Linie

  • Handwerksbetriebe,
  • Bauunternehmen und
  • technisch orientierte Berufe wie Ingenieure, Statiker oder Architekten.

Werden die gefahrengeneigten Arbeiten durch ein Unternehmen in der Rechtsform der Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt) ausgeführt, greift die Haftungsbeschränkung des § 13 Abs. 2 GmbHG zugunsten der Gesellschafter des Unternehmens, soweit diese nicht selbst an der schadensauslösenden Handlung beteiligt waren. Es ist jedoch darauf zu achten, dass selbst mitarbeitende Gesellschafter einer Kapitalgesellschaft trotz Haftungsbeschränkung persönlich haften können, wenn sie selbst schuldhaft eine deliktische Handlung im Sinne des § 823 BGB begehen. In diesen Fällen hilft ihnen die Haftungsbeschränkung des Unternehmens nicht viel weiter. Eine persönliche Haftung ergibt sich dann aus der eigenen schadensauslösenden und schuldhaften Verletzung einer Sorgfaltspflicht.

Hieraus folgt, dass die Haftungsbeschränkung einer UG (haftungsbeschränkt) nur wenig bis gar nichts bringt bei 1-Mann Unternehmen, in denen der Gesellschafter zugleich der einzig Handelnde im Unternehmen ist. Hier ist eine umfassende Betriebshaftpflichtversicherung ein besserer Schutz gegen bestehende Haftungsrisiken. Sobald ein Unternehmen jedoch einen oder mehrere Mitarbeiter beschäftigt und diese für das Unternehmen Aufträge erfüllen, ist die Haftungsbeschränkung ein sinnvolles Mittel für die Gesellschafter des Unternehmens, sich gegen hohe potentielle Haftungsrisiken durch Unachtsamkeiten der Mitarbeiter abzusichern.

Bei der Ausübung eines beratenden Berufs besteht eher die Gefahr, durch Beratungsfehler einen Vermögensschaden beim Kunden zu verursachen. Soweit die Berufsträger hier im Rahmen einer UG (haftungsbeschränkt) tätig werden, sind sie aufgrund der Haftungsbeschänkung des § 13 Abs. 2 GmbHG vor einer persönlichen Haftung umfassend geschützt, da eine deliktische Haftung gem. § 823 BGB eher ausgeschlossen erscheint. Das gleiche gilt für solche Berufe oder Dienstleistungsunternehmen, bei denen sich Unachtsamkeiten in der Regel als bloße Vermögensschäden auswirken, wie beispielsweise Übersetzer oder Grafiker. Bei diesen Berufsgruppen lohnt sich der Einsatz einer Kapitalgesellschaft ebenfalls, da im Hinblick auf die Haftungsbeschränkung gem. § 13 Abs. 2 GmbHG nur die Gesellschaft als Vertragspartner haftet. 

In allen Fällen ist jedoch darauf zu achten, dass der Betrieb oder der Beruf selbst und die Wirkung der UG (haftungsbeschränkt) nach außen vereinbar sind. Wo das besondere Vertrauen und die absolute Integrität des Unternehmers bzw. eines Freiberuflers von ausschlaggebender Bedeutung ist, sollte auf den Einsatz der Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt) verzichtet werden. Die Gründung einer UG (haftungsbeschränkt) durch einen Rechtsanwalt, Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer erscheint daher eher schädlich, da solche Berufsträger sehr schnell mit einem Imageproblem zu tun haben werden.